Wir trauern um Prof. Shvindlerman

Wir trauern um Prof. Dr. Lasar Simhovich Shvindlerman, der völlig unerwartet nach kurzer schwerer Krankheit am 3. März 2018 verstorben ist.

Wir trauern um Prof. Shvindlerman

 

Wir trauern um Prof. Dr. Lasar Simhovich Shvindlerman, der völlig unerwartet nach kurzer schwerer Krankheit am 3. März 2018 verstorben ist. Prof. Shvindlerman war seit nahezu 30 Jahren ständiger Gastprofessor am Institut für Metallkunde und Metallphysik der RWTH Aachen, und in Zusammenarbeit mit ihm wurden zahlreiche Forschungsprojekte durchführt, wissenschaftliche Artikel verfasst und Fachbücher veröffentlicht. Er gehörte ohne jeden Zweifel zu den renommiertesten Materialwissenschaftlern der Gegenwart und hat auf dem Gebiet der Grenzflächenthermodynamik und –kinetik Pionierarbeit geleistet. Wurde er als Wissenschaftler hoch geschätzt, so war er ebenso beliebt unter Kollegen und Studenten sowohl wegen seiner humorvollen und liebenswerten Art als auch wegen seiner Empathie für die Sorgen seiner Mitmenschen.

Lasar Simhovich Shvindlerman wurde am 20. September 1935 in Gitomir nahe Kiew geboren. Nach den Kriegswirren, die seine Familie erst nach Usbekistan und später nach Wien verschlugen, studierte er Metallurgie am Kiew Polytechnic Institute und arbeitete für einige Zeit in einem Stahlwerk bevor er sich am berühmten Moskauer Institut für Stahl und Legierungen (MISIS) erfolgreich als Doktorand bewarb und eine Doktorarbeit über ‚Thermodynamik von Grenzflächen‘ verfasste. Nach seiner Promotion setzte er seine wissenschaftliche Laufbahn als Wissenschaftler am Institut für Festkörperphysik der Russischen Akademie der Wissenschaften in Chernogolovka fort und wurde bald zum Leiter des Labors für Grenzflächen in Metallen befördert. 1988 wurde er am MISIS zum Professor ernannt. Die veröffentlichten Arbeiten seiner Forschungsgruppe gehören heute zur klassischen Literatur der Grenzflächenphysik.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war Prof. Shvindlerman einer der ersten russischen Wissenschaftler, die Kollegen im Westen besuchten und internationale Kooperationen initiierten. Mit dem IMM der RWTH Aachen gründete er ein neues Labor für Grenzflächendynamik, das heute Weltruf genießt und unter anderem Pionierarbeit auf dem Gebiet ‚mechanisch getriebenen Korngrenzen und der ‚Grain Boundary Junctions‘ geleistet hat. Natürlich blieben seine wissenschaftlichen Leistungen nicht unbemerkt. So erhielt er den Werner-Köster Preis der DGM, den Max-Planck-Preis der Max-Planck-Gesellschaft, den Alexander-von-Humboldt-Preis, den Cyril-Stanley-Smith Award, die Kurdjumov Medaille etc., um nur die Wichtigsten zu nennen. Mehr als 350 Artikel in Fachzeitschriften und 4 Bücher listen ihn als Autor. Seit vielen Jahren ist er Mitherausgeber der Fachzeitschrift ‚Materials Letters‘.

Nicht zuletzt sei erwähnt, dass Prof. Shvindlerman auch bis zuletzt ein ausgezeichneter Hochschullehrer war, der es verstand, seine Studenten für den Gegenstand seiner Vorlesungen zu interessieren.

Wir werden Prof. Shvindlerman schmerzlich vermissen, seine freundliche und hilfsbereite Persönlichkeit, sein bescheidenes menschliches Wesen sowie sein breitgefächertes Wissen, sei es über Agatha Christie, japanische Märchen oder Geschichte der Wissenschaft, ganz abgesehen von seinem exzellenten Fachwissen. Mit seinen fundamentalen wissenschaftlichen Beiträgen hat er unser gegenwärtiges Verständnis der Grenzflächenthermodynamik und –kinetik geprägt. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.